Punktmacher auf dem Dach – Ein Erfahrungsbericht

News vom 2. Juli 2019
Auf den Punkt:

Alle Punktmacher sammeln Praxiserfahrungen im Handwerk.

Wenn man seinen Laptop und bequemen Büroarbeitsplatz gegen Schweißbrenner und Arbeitsschuhe eintauscht, dann verspricht der Tag etwas Besonderes zu werden.

Feuer frei für das Tagespraktikum auf dem Dach! Was passiert, wenn man den Schreibtischstuhl gegen einen Gasbrenner austauscht, lesen Sie in diesem Erfahrungsbericht.

Den Dachprofis über die Schulter gucken? Nein, danke!

Um 7 Uhr 30 begann mein Tag als Dachdecker-Praktikantin. Vor dem Einrichtungs- und Möbelgeschäft Zurbrueggen in Bielefeld wartete ich darauf, abgeholt und aufs Dach gebracht zu werden. „Arbeitskleidung und was zu Trinken„ das sollte ich mitbringen, mehr bräuchte ich nicht als Vorbereitung auf den Tag. Dabei hatte ich mich während meiner Arbeit oder besser gesagt aufgrund meiner Arbeit bereits viel mit dem Thema Dachabdichtung beschäftigt. Als Kundenberaterin der bitumenbahn, habe ich bereits etliche Verarbeitungsvideos gesehen, mehrere Artikel gelesen und auch Interviews mit Sachverständigen aber auch Dachdeckern geführt. Selber mit anzupacken und die Theorie in der Praxis zu erleben, das war mein Ziel für diesen Tag.

„Als es hieß, ich dürfe ein Tagespraktikum bei einem Dachdecker machen, war ich wirklich neugierig darauf, wie es wohl ist, mit einem Gasbrenner zu arbeiten.“

Katharina Schneider

Als ich dann abgeholt wurde und gemeinsam mit Marco aufs Dach ging, lehnte ich deshalb dankend ab, als er mich fragte, ob ich nur zuschauen wollte. Ich wollte mir die Hände schließlich selber dreckig machen.

 

Zwischen Gasbrenner und Bitumenbahn

Hitze ist der entscheidende Faktor beim Verlegen von Bitumenbahnen. Wie schwierig es ist, diese kontrolliert einzusetzen, durfte ich selber testen. Nachdem Marco mir Andre vorgestellt hatte, zeigte mir dieser wie der Feger funktioniert. Ich reinigte damit die bereits verlegten Bahnen, auf die im nächsten Schritt zur Ertüchtigung eine weitere Lage mit Bitumenbahnen geschweißt werden sollte. Und dann hieß es: Feuer frei!

Marco und André vom Dachdeckerbetrieb Mersmann & Möllmann GmbH & Co KG machen es vor: Bitumenbahnen werden mit dem Gasbrenner erhitzt und gleichmäßig verklebt.

Marco machte den Anfang und verlegte eine Bitumenbahn, „Pappe„ wie die beiden Dachprofis sie nennen, während er sein Vorgehen beschrieb. Kurz darauf hielt ich bereits selbst den Schweißbrenner in der Hand. Unter Anleitung rollte ich selber eine Bahn vor mir her, während ich sie gleichzeitig mit dem Schweißbrenner erhitzte.

Aus Theorie wird Praxis: Punktmacher Katharina Schneider bei ihren ersten Schweißversuchen.

Wie laut der Brenner wirklich ist, wie heiß die Füße werden und wie die Bitumenbahn riecht, wenn sie „schmilzt„, hätte ich keinem Artikel, Bild oder Video entnehmen können. Genauso wenig konnte ich ahnen, was für ein Feingefühl von Nöten ist, um eine Bahn zu schweißen. Die Bahn darf nicht zu heiß werden, gleichzeitig muss aber vor allem an der Naht genügend Hitze sein, die Flamme sollte von der Seite kommen und nicht frontal aufschlagen, dabei muss man darauf achten, dass man die Bahn gleichmäßig weiterrollt ohne seine Schuhe zu verbrennen.

Vom Wetter und Raubüberfällen

Noch bevor die ersten 10 Bahnen verlegt waren, fielen die ersten Regentropfen. Ein Regenschauer kündigte sich an und das würde bedeuten, dass die Dacharbeiten wortwörtlich ins Wasser fallen würden – und damit auch mein Tagespraktikum. Marco und André müssten den Tag todschlagen, da beide auf Montage in Bielefeld waren. Aber dazu kam es nicht.

„Dass der eigene Arbeitsalltag vom Wetter abhängt, war für mich sehr ungewohnt. Im Büro spielt das Wetter schließlich gar keine Rolle.“

Katharina Schneider

Ein dringender Anruf, brachte eine neue Aufgabe für den Tag und uns nach Delmenhorst, das knapp 200 km nördlich von Bielefeld liegt. Es wurde versucht in einen Mediamarkt einzubrechen – und zwar über das Dach. Dabei hatten die Diebe die Kunststoffbahn herausgeschnitten, die darunterliegende Wärmedämmung (Mineralwolle) herausgerissen, die Dampfsperre entfernt und anschließend vergeblich versucht, mit einer Kreissäge ein Loch in das Stahltrapezblech zu schneiden. Das Ergebnis: Eine kaputte Dachabdichtung und ein Einsatz für die Dachdecker.

Sondereinsatz auf dem Dach von Zurbrueggen in Delmenhorst: Ein Einbruchversuch hinterlässt nicht nur Spuren, sondern auch ein undichtes Dach.

„Das wird noch ein ganzes Stück Arbeit„, kommentierte Marco den Schaden des Einbruchversuches und fügte hinzu „aber nicht heute.“ Um die Dachabdichtung wieder voll funktionsfähig zu machen, müsse man nicht nur die obere Lage erneuern, sondern auch die Dampfsperre, die Mineralwolle und auch das eingeschnittene Trapezblech austauschen. An einem Tag wäre die Arbeit kaum zu schaffen, und an einem halben erst recht nicht. Eine Notabdichtung muss her und dafür auch das nötige Material. Und da nimmt man eben das was da ist.

Hauptsache dicht: Eine hilfsbedürftige Abdichtung schützt das Dach vor eindringender Nässe und Feuchtigkeit.

Wir stopften soweit es ging die Mineralwolle wieder in das Loch, beseitigten die Reste, legten eine Holzplatte über die Einbruchsstelle und Marco brachte eine hilfsbedürftige Abdichtung aus Bitumenbahnen darauf auf.

„Unsere Kunden profitieren davon, wenn Mitarbeiter/innen von Punktmacher wissen, wie es auf der Baustelle ist. Deshalb unterstütze und organisiere ich gerne solche Tagespraktika.“

André Brömmel, Geschäftsführer

 

Durch die Kundenbrille zu sehen, reicht nicht immer. Man muss die Brille auch selbst mal aufsetzen.

Nach diesem Einsatz ging es zurück nach Bielefeld, dem Feierabend und dem Ende meines Tagespraktikums entgegen. Nicht nur habe ich ein Gefühl dafür bekommen können, wie man Bitumenbahnen schweißt, vielmehr konnte ich auch eine meiner Zielgruppen besser kennenlernen. Einen fast normalen Arbeitstag (Einbruchversuche übers Dach sind eher nicht die Regel) mitzuerleben, war in jedem Fall eine Bereicherung für künftige Marketingmaßnahmen, aber vor allem hat es enorm Spaß gemacht. Vielen Dank an dieser Stelle an Andre und Marco, die mich mit aufs Dach genommen haben!

Erinnerungs-Selfie zum Ausklang eines gelungenen Tagespraktikums.

News vom 2. Juli 2019
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